Fell – Haarkleid des Hundes

In der Hundezucht gibt es kaum ein körperliches Merkmal des Hundes auf das mehr Einfluss genommen wird, als auf das Fell. Es gibt im Genom des Hundes zahlreiche Gene, die für die Fellfarbe verantwortlich sind und sich einfach wieder sortieren und neu kombinieren lassen. Hunde gibt es in den unterschiedlichsten Farbtönen und vielen Farbkombinationen.

Generell wird beim Fell des Hundes zwischen Stockhaar, Glatthaar, Kurzhaar und Langhaar unterschieden. Beim Stockhaar besteht das Fell aus Deckhaar und Unterwolle. Bei Glatthaar, Kurzhaar und Langhaar gibt es keine Unterwolle.

Das äußere Deckhaar ist beim Stockhaar rau. Hinzu kommt eine dichtere, feine Unterwolle, die auch als Wollhaar bezeichnet wird. Das Verhältnis von Deckhaar zu Wollhaar liegt bei ca. 1:10: Auf ein Deckhaar kommen dementsprechend ungefähr zehn Wollhaare. Die Luft verfängt sich in einem derartig aufgebauten Fell sehr leicht und durch die natürliche Fettigkeit wird eine Wasserabstoßung erreicht. Hunde mit Stockhaaren können ihre Körpertemperatur problemlos aufrechterhalten, selbst wenn sie in kaltem Wasser schwimmen oder im Regen arbeiten. Zusätzlich genügt meistens einmal kräftiges Schütteln, um das meiste Wasser von der Hautoberfläche zu beseitigen. In der Regel haben Hunde mit Stockhaaren Haar von mittlerer Länge und unterliegen einem Haarwechsel. Ob dieser Haarwechsel durch die Jahreszeiten bedingt oder ganzjährig stattfindet, steht in Abhängigkeit zum Hund und den äußeren Einflüssen (Temperatur, Tageslänge…). Typische Hunderassen mit Stockhaar sind Sheltie, Deutscher Schäferhund oder Labrador Retriever.

Bei Hunden, die über ein Haarkleid aus Glatthaaren, Kurzhaaren oder Langhaaren verfügen, weisen alle Haare die gleiche Struktur und gleiche Dicke auf. Dabei gibt es zwischen den einzelnen Hunderassen große Unterschiede in der Felllänge. So hat der Yorkshire Terrier langes, fließendes Haar und der Dalmatiner kurzes Haar. Pudel oder Kerry Blue Terrier haben beispielsweise Seidenhaare. Sie unterliegen keinem Fellwechsel, weshalb regelmäßiges Trimmen notwendig ist.

Dem Haarkleid des Hundes kommen je nach Rasse und Aufgaben unterschiedliche Funktionen zu. So brauchen Jagdhunde in erster Linie ein Fell, das dem Hund zuverlässigen Schutz vor äußeren Einflüssen (Klima, Umwelt) bietet. Ein besonderes Beispiel für die Funktion der Fellfarbe ist der Nova Scotia Duck Tolling Retriever. Die kleine kanadische Jagdhundrasse ist rötlich gefärbt mit weißen Flecken auf der Spitze der Nase, dem Kopf, der Schwanzspitze und an den Pfoten. Während der Jagd spielen diese Hunde am Gewässerufer miteinander und machen dadurch die Enten auf sich aufmerksam, die sich nähern, um sich die bewegenden, roten und weißen „Dinge“ genauer anzuschauen. Im Englischen ist dabei vom so genannten Tolling (Locken) die Rede. Der Jäger kann auf diese Weise die Enten einfach erlegen, welche dann vom Hund apportiert werden.

Der Komondor ist ein weiteres Beispiel für ein funktionell abgestimmtes Fell. Er ist ziemlich groß und hat ein markantes langes, weiß geschnürtes Haarkleid. Zunächst kommt der Komondor-Welpe mit einem weichen, gelockten Fell auf die Welt. Im Laufe seines Wachstums verklumpen die Haare immer mehr miteinander und bilden so lange, filzige Bänder, die als Schnüre bezeichnet werden. Wenn der Hund erwachsen ist, lässt er sich dann – jedenfalls auf eine gewisse Entfernung – sehr leicht mit einem Schaf verwechseln. Seine Aufgabe besteht darin, die Schafe vor Raubtierangriffen zu schützen, wobei ihm seine optische Tarnung zu Gute kommt. Er bewegt sich mitten in den Schafen, um als Bestandteil der Herde zu erscheinen. Sein schweres, verfilztes Fell erfüllt außerdem noch wichtige Schutzfunktionen gegen die Witterungseinflüsse und im Kampf mit Raubtieren.